ChatGPT und die Bedeutung von Kontext
ChatGPT weiss bei jedem neuen Chat nichts über dich. Kein Gedächtnis, kein Hintergrund, keine Ahnung wer du bist. Ohne Kontext rät er und liefert den Durchschnitt von allem was die Menschheit je geschrieben hat.
Ich war auf der Suche nach neuen Ideen zu meinem Mr. Rize Projekt. Wie viele andere auch, wollte ich mich dafür mit ChatGPT beraten. Ich fragte nach Ideen und bekam auch Ideen. Jedoch nur generische, seelenlose Vorschläge, ohne persönliche Note. Als hätte jemand «kreative Ideen für Worldbuilding» gegoogelt und die ersten drei Treffer zusammengeklebt.
01 Jeder neue Chat fängt bei Null an
ChatGPT hat kein Gedächtnis zwischen Chats so wie Claude. Kein Hintergrund, keine Ahnung wer du bist, was du machst, wie du denkst. Er hat Zugriff auf alles Sprachliche der Menschheit, aber null Informationen über dich persönlich. Nur das, was du in seiner Persönlichkeit und in den Erinnerungen gespeichert hast.
Das bedeutet Jedes Mal wenn du einen neuen Chat öffnest, sitzt du einem völlig leeren Klumpen gegenüber. Er wartet darauf, von dir geformt zu werden. Gibst du ihm nichts, formt er sich selbst. Nach dem Durchschnitt aller menschlichen Texte die er je gesehen hat und in seinen Trainingsdaten gespeichert hat. Dies führt dazu, dass man gefühlt nur generische Ideen erhält.
02 Was Kontext genau ist
Kontext ist nicht eine Liste mit Aufgabenparametern. Das wäre ein Rollenprompt und dazu kommt ein eigener Artikel. Kontext ist das, was du nebenbei im Chatlog schreibst. Über das Projekt, die Hobbys, deinem Plan und deinen Visionen.
Ich habe das mit Mr. Rize ausprobiert. Ich habe einfach mal erzählt, worum es beim Projekt geht. Was mich daran fasziniert, was meine Beweggründe sind, was für Ideen ich so habe. Wo ich selber unsicher bin und wo ich sicher bin, was so meine Idole sind, was der Stil ist. Eigentlich noch recht viel Infos. Auch Witze über meine Katzen und anderen «Anekdoten» habe ich miteinfliessen lassen. Auch, welche Animationen ich gerne habe, welche Figuren ich mag, welche Bücher. Was ich alles in meinem Mr Rize Projekt vereinen will. Ich habe ihm Bildausschnitte meiner ersten Ideen gezeigt, mein Notizbuch und Hinweise auf andere Animationsstile.
Der Output danach war ein anderer. Nicht weil ChatGPT plötzlich «intelligenter» war. Sondern, weil der Klumpen jetzt Material hatte, das nach mir klingt und nicht nach dem Durchschnitt aller Worldbuilding-Texte die je im Internet standen.
Kontext hilft dem Modell, die riesige Liste an Möglichkeiten einzuengen und deutlich relevantere Ergebnisse zu liefern. Der Unterschied zwischen «Gib mir Ideen für mein Projekt» und «Hier bin ich, hier ist mein Projekt, hier ist, was mich treibt» ist fundamental.
Du musst dem Klumpen nicht immer eine perfekte Aufgabe geben. Manchmal reicht es, einfach über das Projekt zu reden, über deine Vision. Über Nebensächliches, das trotzdem dazugehört. Je mehr echter Kontext im Chat ist, desto weniger muss er raten und desto näher kommt er an das was du wirklich meinst.
Kontext ist superwichtig. Es gibt aber auch Fälle, wo zu viel Kontext vorhanden ist und ChatGPT sich im Kreis dreht. Mit den Logs und gezielten Anweisungen kann man das gegensteuern. Dann ist es auch manchmal hilfreich, nochmals bei einem leeren Chat anzufangen und projektbezogene Logs einzufügen.
03 Der Geschichte-Trick und warum er funktioniert
Das hier klingt komisch. Aber es funktioniert.
Bevor du ChatGPT eine konkrete Aufgabe gibst, erzähl ihm eine kurze Geschichte. Kann was völlig Banales sein. Wie dich jemand im Zug genervt hat. Wie dein Morgen lief. Was deine Katze heute angestellt hat. Irgendwas das nach dir klingt.
Mein Partner und ich haben das aktiv getestet – mit leeren Chats, mit Kontext gefüllten Chats, auf seinem ChatGPT und auf meinem. Wir haben beobachtet, was passiert, wenn man vorher über etwas spricht und was passiert bei einem komplett leeren Chat. Das Ergebnis war konsistent: Der Output danach klingt anders. Persönlicher. Näher an meiner Stimme.
Die Erklärung Du befüllst den Chat mit deinem Rhythmus, deiner Energie, deiner Art zu schreiben. ChatGPT spiegelt das zurück. Nicht weil er dich versteht, sondern einfach, weil er die Muster aufnimmt, die du ihm gibst. Und mit den anderen im Internet.
Wenn ChatGPT anfängt sich zu verzetteln und den Faden verliert und nicht einfach nochmals fragen. Erst ein komplett anderes, beliebiges Thema einwerfen. Eine kurze Ablenkung. Dann zurück zur eigentlichen Aufgabe. Der Output danach ist auf beiden Seiten besser geworden.
04 Speicher deine Chatlogs. Wirklich!
ChatGPT-Chats gehen verloren. Das ist keine Theorie. Ich habe es mehrmals live erlebt. Geschriebene Sachen zu Mr. Rize, Bildserien, Tutorialfragen, ein ganzes Arbeitsprojekt, dass ich über mehrere Sessions erarbeitet hatte. Weg. Entweder, weil der Chat abgestürzt ist oder OpenAI ein technisches Problem hatte. Den Stopp-Knopf bei einem dichten Chatlog zu verwenden, ist mit grossen Risiken verbunden. Dies konnte ich mehrfach selber erleben.
Seither speichere ich Logs konsequent. Alles markieren, in eine Textdatei kopieren und sicher archivieren. Wenn du einen neuen Chat startest, kannst du den gespeicherten Log gleich miteinfügen – der Klumpen hat damit den Stand des letzten Gesprächs sofort wieder.
- →In der Pro-Version: Einstellungen → Exportfunktion für Chatlogs aktivieren und regelmässig exportieren. (hier sind aber keine einzelnen Chatlogs aufrufbar)
- →Simpel auf Windows: CTRL+A → CTRL+C → Editor öffnen → CTRL+V → Speichern. Fertig.
- →Neuen Chat starten: gespeicherten Log miteinfügen und der Klumpen ist sofort auf Stand.
05 Vom Kontext zum persönlichen Betriebssystem
Mein Partner und ich haben das mit den Chatlogs konsequent weiterentwickelt. Wir nennen das «Layern». Aus langen Chatlogs haben wir – mit Hilfe von ChatGPT selbst – strukturierte Kontext-Dokumente destilliert. Kein einmaliger Schnellschuss, sondern ein System das aus echten Gesprächen gewachsen ist. Drei Ebenen haben sich dabei herauskristallisiert:
ChatGPT hat aus unseren Chatlogs ein detailliertes Profil erstellt: wie ich denke, wie ich lerne, was mich triggert, wo meine Stärken liegen, wie ich unter Stress reagiere. Nicht als therapeutisches Dokument, sondern als funktionales Regelwerk. Einmal erstellt, immer wieder nutzbar.
Kommunikationsregeln, Spracharchitektur, Eskalationslogik. Was der Bot darf, was er nicht darf, wie er reagieren soll wenn ich wütend bin oder kreativ oder müde. Kein Floskelsprech, keine Beruhigungsfloskeln . Und das steht explizit drin. Es ist eine erweiterte Version der Persönlichkeitsanalyse.
Ein kompaktes Einstiegsdokument das ich an den Anfang jedes neuen Chats stelle. Mein aktuelles Projekt, meine Arbeitsweise, den aktuellen Stand, die wichtigsten Fakten, welche der Bot wissen muss. Textlogs, die ChatGPT in Sekunden auf den Stand bringt. Ohne, dass ich lange erklären muss.
Das ist alles kein Hexenwerk. Es ist Arbeit, die du einmal machst, am einfachsten an einem Computer. Diese kannst du auch direkt bei Projekten einfügen (welche du in ChatGPT links erstellen und mit Dokumente und Hinweise befüllen kannst) oder in einem neuen Chat selber.
Und das Beste: Du musst das nicht selbst schreiben. Speichere deine Chatlogs und bitte ChatGPT, daraus ein strukturiertes Profil zu destillieren. Dann überarbeitest du es, ergänzt was fehlt, streichst was nicht stimmt. Effizienter, als von Grund auf neu schreiben. Das kannst du auch mit deinen persönlichen Projekten machen. Speichere regelmässig die Chatlogs, um deinen Fortschritt nicht zu verlieren und ChatGPT auf den aktuellen Stand zu halten.
06 FAQs
Was ist Kontext genau?
Reicht ein Satz Kontext?
Was wenn der Chat zu lang wird und ChatGPT abdriftet?
Was ist der Unterschied zwischen Kontext und einem Rollenprompt?
Muss ich das Kontext-Dokument selbst schreiben?
07 Den Klumpen formen – KI Wissensblog
Blog-Serie über das Wesen von ChatGPT und wie man ihn benutzt.