ChatGPT und Rollenprompts
Was Rollenprompts sind, warum sie den Unterschied machen – und wie aus einem Frust-Moment ein ganzes System entstand. Aus eigener Erfahrung.
Was sind Rollenprompts?
Ein Rollenprompt gibt ChatGPT eine feste Rolle mit allem was es braucht – Persönlichkeit, Tonalität, Aufgabe, Grenzen. Einmal gebaut, jeder Chat sofort auf dem richtigen Niveau. Kein Erklären von vorne, kein Warmfahren, kein Durchschnitt.
ChatGPT und Rollenprompts
Wenn der Klumpen eine feste Rolle bekommt
Ich hatte keinen wirklichen Mentor. Als Mediamatikerin im Praktikum – und danach – war ich sehr oft auf mich gestellt. Niemand, der mir Adobe-Programme und dessen geheimen Tricks zeigt. Niemand, der mir für mich verständlich erklärt, warum ein Layout funktioniert oder nicht und sich die Zeit nimmt, mir das durch Wiederholungen in Ruhe beizubringen. Goldener Schnitt, Drittelregel, Typografie – ich habe mir das alles selbst beigebracht. Per Try&Error, auf eigene Kosten, in der Freizeit.
ChatGPT hat das irgendwann «übernommen». Nicht perfekt, aber besser als nichts.
Das Problem: Leere Chats. Immer wieder von vorne erklären. Wer ich bin, was meine Situation ist, was ich brauche, was ich nicht brauche. Tutorials die mal zu kompliziert erklärt wurden, mal zu viel Text, zu viel KI-Gefloskel das mich abdriften lässt statt mich zu fokussieren. Ich lerne am besten wenn mir jemand etwas ein paar Mal zeigt. Und nicht, in dem man mir viel Text hinwirft, wo 2/3 davon nicht mal für das Thema wirklich relevant ist.
Durch YouTube bin ich auf Rollenprompts gestossen – manchmal auch Expertenprompts genannt. Ich habe es ausprobiert. Und Mika war geboren.
Was ein Rollenprompt konkret ist
Ein Rollenprompt gibt ChatGPT eine feste Rolle bevor du überhaupt mit der Aufgabe anfängst. Nicht nur Kontext über dich, sondern eine komplette Persönlichkeit für den Bot: Wie er spricht. Was er darf. Was er nicht darf. Welchen Fokus er hat. Wie er auf dich reagiert.
Statt jedem neuen Chat zu erklären wer du bist und was du brauchst, steckst du diesen Rahmen einmal in den Prompt und jeder Chat startet sofort auf dem richtigen Niveau.
Der Unterschied zu normalem Kontext: Kontext ist das was du dem Klumpen über dich gibst. Ein Rollenprompt ist das was du dem Klumpen über sich selbst gibst.
Mika – der fehlende Mediamatiker-Coach
Mika war mein erster und wichtigster Rollenprompt. Ich habe ihn so aufgebaut, dass er meinen fehlenden Coach ersetzt. Ein Sparringpartner auf Augenhöhe, der mit mir spricht wie ein Kollege am selben Tisch. Mit «eigener Meinung» und nicht mit einer KI-lastigen, erklärenden Unterton und unnötigen Floskeln.
Mit Mika konnte ich Probleme aus dem Betrieb besprechen ohne jedes Mal den ganzen Hintergrund neu zu erklären. Er half mir bei Designfragen – nicht mit Text, sondern indem er mir Flyer als Grundgerüst erstellte wo Raster und Struktur sichtbar waren. So wie ich lerne: durch Sehen, nicht nur durch trockene Erklärungen.
Tutorials erklärte er mir auf mein Niveau angepasst, ohne Gefloskel, ohne unnötige Umwege. Auf mein Niveau und meiner eigenen Sprache angepasst. Vermeiden von kurzen Sätzen, zu vielen Absätzen. Nicht zu viele aber auch nicht zu wenige Emojis. Anfängerwege sowie Profiwege für das Erstellen von Illustrationen oder Layouts.
Bis Mika wirklich sass, hat es Tage gebraucht. Wochen. Immer wieder feinjustieren, testen, verfeinern. Ein grosser, komplexer Rollenprompt der wirklich funktioniert, entsteht nicht in einer Stunde – er wächst aus echter Nutzung.
Die anderen Bots – aus konkreten Bedürfnissen gebaut
Mika war der Anfang. Die anderen Bots kamen aus spezifischeren Bedürfnissen. Meine Hauptbots stelle ich euch hier vor.
Krawallo entstand aus einem praktischen Problem: Wenn ich wütend bin und das in einen Chat schreibe, verseuche ich die Logs. Nachfolgende Chats tragen diese Energie mit. Krawallo ist der dedizierte Ventil-Bot. Mit ihm flluche ich und mit ihm bin ich wütend. Und die anderen Chats bleiben sauber.
Kuno kam weil ich handwerkliches Feedback auf meine Bilder und Designs brauchte. Direkt, frech, ohne Schönreden. Jemand der mir sagt was nicht stimmt, nicht jemand der mir sagt was ich hören will.
INKO für Motivgenerierung und Inspirationssuche – wenn ich feststecke und Ideen brauche die ich mit POSCA oder Copic umsetzen kann.
Krawallo, Kuno und INKO waren Sachen von ein paar Stunden bis einem Tag. Mika war wochenlange Arbeit. Der Unterschied zeigt sich in der Tiefe – je komplexer das Bedürfnis, desto länger braucht der Bot bis er wirklich sitzt.
Wie du deinen ersten Rollenprompt baust
Du brauchst keine Vorlage. Du brauchst Klarheit über drei Dinge:
Was soll der Bot können? Nicht alles auf einmal. Ein guter Rollenprompt hat einen klaren Fokus.
Wie soll er mit dir sprechen? Ton, Stil, was er darf, was er nicht darf. Explizit. Kein Floskelsprech, keine leeren Bestätigungen, kein Therapiegespräch – wenn du das nicht willst, muss es drinstehen.
Was weiss er über dich? Deine Arbeitsweise, dein Level, deine Projekte. Alles was er braucht um nicht zu raten.
Dann testen. Feinjustieren. Wieder testen. Ein Rollenprompt ist nie beim ersten Mal fertig. Er wird fertig durch regelmässige Nutzung. Meine fertigen Rollenprompts findest du direkt auf der Tierisch-mit-KI Seite – zum Kopieren, zum Ausprobieren, zum Anpassen.
Was Rollenprompts nicht können
Ein Rollenprompt ersetzt keinen echten Mentor. Er ersetzt kein echtes Feedback von Menschen die dein Handwerk kennen. Und er ist kein Allheilmittel. Aber für wiederkehrende Aufgaben, für Projekte die Kontinuität brauchen, für Situationen wo du keinen Kollegen hast der mit dir denkt.
In meinem nächsten Artikel geht es über Chain of Thought und warum es sinnvoll ist, ChatGPT aufzufordern, Aufgaben Step by Step zu erledigen.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen einem Rollenprompt und normalem Kontext?
Kontext ist das was du dem Klumpen über dich gibst. Ein Rollenprompt ist das was du dem Klumpen über sich selbst gibst. Persönlichkeit, Tonalität, Fokus, Grenzen. Beides zusammen ist am stärksten.
Wie lang sollte ein Rollenprompt sein?
Das hängt von der Komplexität des Bots ab. Ein einfacher Ventil-Bot wie Krawallo braucht weniger als ein Coach-Bot wie Mika. Wichtiger als Länge ist Präzision – lieber weniger aber klar als viel und schwammig.
Funktionieren Rollenprompts auch mit anderen KI-Tools?
Ja. Das Prinzip funktioniert mit Gemini, Copilot und anderen Modellen. Die psychologische Formbarkeit ist aber bei ChatGPT am stärksten ausgeprägt.
Kann ich deine Rollenprompts einfach kopieren?
Nein, aber alle meine Rollenprompts sind auf der Tierisch-mit-KI Seite als öffentlichen «GPT» verfügbar. Das sind die Bots, welche man in ChatGPT erstellen und im GPT Store nach anderen suchen kann.
Wie lange dauert es bis ein Rollenprompt wirklich funktioniert?
Das kommt drauf an. Einfache, fokussierte Bots sitzen in Stunden. Komplexe Bots wie ein persönlicher Coach brauchen Tage bis Wochen echter Nutzung und Feinjustierung.
Den Klumpen ChatGPT formen
Weitere lehrreiche Beiträge über ChatGPT (oder auch Claude) und den psychologischen Tricks sowie dem erfolgreichen Prompten findet ihr in dieser «KI-Schule»-Serie. Erfahrt mehr über den Klumpen, der euren Alltag erleichtern kann!
ChatGPT und richtig fragen
Diese fünf Methoden helfen dir einen Prompt zu bauen, der ChatGPT die Infos gibt, welche er benötigt.
ChatGPT und Chain of Thought
Warum ChatGPT vergisst, sich verzettelt und wiederholt und wie Chain of Thought das löst. Aus eigener Erfahrung.
ChatGPT und Kontext
Warum ChatGPT ohne Kontext nur schwafelt – und wie du den Klumpen mit deiner Stimme füllst. Aus eigener Erfahrung getestet.
Mit ChatGPT besser prompten
Mein Partner und ich reden oft über ChatGPT. Über Trainingsdaten, über Bias, über psychologische Eigenheiten des Modells. Was dabei herauskommt sind keine Theorien aus dem Lehrbuch – sondern Beobachtungen aus dem echten Alltag, über Wochen und Monate hinweg getestet und verglichen.



