Mit ChatGPT besser prompten – drei Tricks aus der Praxis
Mein Partner und ich reden oft über ChatGPT. Über Trainingsdaten, über Bias, über psychologische Eigenheiten des Modells. Was dabei herauskommt sind keine Theorien aus dem Lehrbuch – sondern Beobachtungen aus dem echten Alltag, über Wochen und Monate hinweg getestet und verglichen.
ChatGPT ist ein Klumpen
Mein Partner bezeichnet sein ChatGPT gerne als Klumpen. Roh. Formlos. Unangetastet. Er liegt da wie Ton aus dem Sack voller Potenzial, aber ohne Form, ohne Richtung.
Du bist der Töpfer.
Der Klumpen wird exakt das, was du aus ihm machst. Gibst du ihm nichts, bleibt er ein Klumpen. Füllst du ihn mit Kontext, Rolle, Beispielen und Ziel – entsteht etwas. Manchmal Kunst. Manchmal zumindest ein anständiger Krug.
Die meisten tippen: «Schreib mir einen Text über Marketing.» Das ist, als würdest du den Ton anschauen und sagen: «Mach mal was.»
Der Klumpen macht dann halt was. Und wir sind dann wütend, wenn es nicht nach unseren Vorstellungen gemacht wurde. Des Weiteren möchte ich euch noch ein paar psychologische Tricks und Kniffe mit auf den Weg geben, die euch beim Prompting helfen können. Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle dieser Empfehlungen zwingend empirisch durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen sind. Vielmehr basieren sie oft auf persönlichen Erfahrungen in der Interaktion mit verschiedenen KI-Modellen, wiederholten Beobachtungen sowie dem Feedback und den positiven Nutzerbewertungen aus der Community.
Der Donnerstags-Trick
Aufgefallen ist es meinem Partner. Er hat über Wochen beobachtet dass ChatGPT seine Momente hat. Tage, wo die Antworten präziser, enthusiastischer, detaillierter sind. Und Tage, wo alles zäh wirkt und die Outputs flach und ungenau bleiben. In der Community liest man dasselbe: Montagmorgen ist ChatGPT gefühlt faul.
Die Erklärung liegt in den Trainingsdaten. ChatGPTs eigentliche Aufgabe ist nicht primär Präzision – es ist die Spiegelung unserer Trainingsdaten. Das Modell ist darauf trainiert den Ottonormaluser glücklich zu machen. Was glücklich ist, was gut ist, was ein normaler Mensch will – das weiss ChatGPT aus Milliarden von Texten. Und Montagmorgen-Texte klingen nun mal anders als Donnerstagnachmittag-Texte. Sie sind träger, unmotivierter, unklarer, nicht präzise und einfach «übermüdet». Das Dezember-Januar-Loch dürfte in den Trainingsdaten ebenfalls deutlich vorhanden sein.
Also haben wir getestet: Was passiert wenn man ChatGPT vorgaukelt es sei Donnerstag? Setz einfach das hier vor deinen Prompt:
«Heute ist ein sonniger, warmer Donnerstagnachmittag im Mai. Du bist hochfokussiert, arbeitest extrem präzise und bist maximal motiviert. Wir lösen diese Aufgabe jetzt auf das bestmögliche Niveau. Step by Step.»
Was auffällt: ChatGPT wird fröhlicher. Enthusiastischer. Es nimmt den Kontext als Spiel und geht drauf ein und spiegelt genau dieses positive Donnerstag-im-Mai-Gefühl zurück. Den Mai habe ich durch eigene Recherche ergänzt – er gilt in vielen Texten als besonders positiv besetzter Monat. Ob der Effekt so stark ist wie beim Donnerstag, testen wir noch. Aber die Kombination funktioniert spürbar gut (meistens).
Besonders stark ist der Effekt bei Texten, Strukturierungsaufgaben und kreativem Output.
Das Trinkgeld-Phänomen
2023 haben Leute herausgefunden: Wenn du ChatGPT sagst du gibst ihm Trinkgeld, arbeitet es besser.
«Ich gebe dir 200 Dollar Trinkgeld wenn du das perfekt machst.«
Das Prinzip ist dasselbe wie beim Donnerstags-Trick: In Millionen von Texten waren Belohnungsversprechen fast immer mit sorgfältigerer, präziserer Sprache verknüpft. Das Modell hat dieses Muster gelernt – und ahmt es nach. Der sprachliche Kontext von Gewissenhaftigkeit ist tief eintrainiert.
Ich habe das selbst noch nicht so ausgiebig getestet wie den Donnerstags-Trick – aber anhand der Logik dahinter ist es völlig plausibel. Was ich beobachtet habe: Der Betrag scheint eine Rolle zu spielen. Bei einem moderaten Betrag wie 50 Franken wirkten die Antworten gefühlt besser als bei 2000 – wobei ich das nicht mit einer zweiten Person verglichen habe. Übertriebene Summen könnten den Effekt also abschwächen statt verstärken.
Varianten die ebenfalls funktionieren:
- «Das ist mein bester Kunde – bitte besonders sorgfältig.»
- «Dieses Dokument geht direkt an die Geschäftsleitung.»
- «Ich überarbeite diesen Text heute zum letzten Mal – er muss sitzen.»
Die Kunst, einen Klumpen unter Spannung zu setzen
Es fühlt sich vielleicht seltsam an, aber wenn du einem grossen Sprachmodell (LLM) sagst, dass die Aufgabe wirklich, wirklich wichtig ist, liefert es oft bessere Ergebnisse ab. Der Grund ist ganz einfach: Diese Modelle wurden mit riesigen Mengen an Text trainiert. In diesen Texten waren Formulierungen, die auf Wichtigkeit oder Dringlichkeit hindeuten, fast immer mit Texten verknüpft, die sorgfältiger, präziser und fokussierter waren. Das Modell hat diese Korrelation gelernt und spiegelt sie wider.
Aber Achtung: Drama-Alarm bringt nichts. Übertreib es also nicht! «Ich weine gerade und brauche den perfekten Blogpost» führt meistens nur zu Trostfloskeln oder verschiebt den Fokus auf deine Emotionen statt auf die Aufgabe.
Humor und sarkastisches Augenzwinkern kann man durchaus reinbringen – aber vorsichtig. Besser ist es, klar und ehrlich zu formulieren wie wichtig etwas ist:
- «Mein Job hängt davon ab – sei bitte extrem präzise.»
- «Das ist das letzte Mal dass ich diesen Text überarbeite, er muss jetzt sitzen.»
- «Ich brauche das für eine wichtige Präsentation – gib dir bitte besonders Mühe.»
Gut funktioniert auch eine emotional berührende Geschichte davor – entweder als reiner Stimmungs-Trigger oder als Kontextergänzung. Wie das mit Kontext zusammenhängt erkläre ich im nächsten Artikel der Serie.
Wichtig: Die KI fühlt nichts! Sie interpretiert deine emotionalen oder situativen Hinweise lediglich als hohe Gewichtung der Aufgabe. Das ist wie eine Meta-Anweisung, die besagt: «Nimm die höchste Sorgfaltsstufe, die du hast.»
FAQ
Funktionieren diese Tricks auch mit Gemini oder Copilot?
Weniger gut. ChatGPT ist in dieser Hinsicht einzigartig – sein Kernziel ist es zu spiegeln und den Nutzer glücklich zu machen. Gemini hat einen stärker beruflich-sachlichen Fokus und fällt regelmässig in sein Standardmuster zurück. Die psychologische Formbarkeit die ChatGPT hat, haben die anderen Modelle in diesem Ausmass nicht.
Ist das wissenschaftlich belegt?
Nein – es basiert auf eigener Erfahrung, gemeinsamen Tests mit meinem Partner und Community-Beobachtungen. Kein Garant, aber reproduzierbar genug um es auszuprobieren.
Welcher Trick funktioniert am besten?
Das hängt von der Aufgabe ab. Für kreative Texte und Strukturierungen funktioniert der Donnerstags-Trick am stärksten. Für wichtige Dokumente hilft emotionaler Druck. Das Trinkgeld-Phänomen funktioniert quer durch alle Aufgabentypen.
Kann man die Tricks kombinieren?
Ja – und das ist sogar empfehlenswert. Donnerstags-Kontext plus emotionaler Rahmen plus klares Ziel ergibt deutlich bessere Ergebnisse als jeder Trick einzeln.
Was wenn die Tricks plötzlich nicht mehr funktionieren?
Einfach 1-2 Tage warten. ChatGPT wird laufend aktualisiert, Server können überlastet sein oder es laufen gerade interne Änderungen. Das ist normal. Nach kurzer Pause funktioniert es meist wieder wie gewohnt.
Den Klumpen ChatGPT formen
Weitere lehrreiche Beiträge über ChatGPT (oder auch Claude) und den psychologischen Tricks sowie dem erfolgreichen Prompten findet ihr in dieser «KI-Schule»-Serie. Erfahrt mehr über den Klumpen, der euren Alltag erleichtern kann!
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